Keine Trendwende: Freedom of Thought Report 2025

Maggie Ardiente, Präsidentin Humanists International

Mubarak Bala, Menschenrechtsaktivist

Heute ist der jährliche Freedom of Thought Report von Humanists International veröffentlicht worden. Er zeigt, wie gut Staaten weltweit das Recht auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit sowie die Meinungsfreiheit schützen und er dokumentiert, welche Regierungen Religion zunehmend nutzen, um Repression zu rechtfertigen und Menschenrechte auszuhöhlen.

Der diesjährige Bericht zeigt wieder, dass Religion in vielen Ländern eingesetzt wird, um Macht zu festigen, Kontrolle auszuüben und den Abbau von Menschenrechten zu legitimieren. Zwar sind einige Länder gegenüber nichtreligiösen Menschen offener geworden und haben progressive Reformen eingeführt. Gleichzeitig greifen jedoch immer mehr Regierungen zu autoritären Maßnahmen – häufig zulasten humanistischer und nichtreligiöser Menschen und religiöser Minderheiten.

Zur Strategie zunehmend autoritärer Regierungen erklärt die Präsidentin von Humanists International, Maggie Ardiente, im Bericht: „Auch wenn sie sich als Verteidiger der Religionsfreiheit und sogenannter ‚traditioneller Werte‘ präsentieren, fördern sie in der Praxis religiöse Privilegien, indem sie die Menschenrechte von Minderheiten abbauen und unabhängige demokratische Institutionen schwächen.

So wie in Georgien, einem der im Bericht hervorgehobenen Länder. Dort inszeniert sich die Regierungspartei als Hüterin von Traditionen und „Familienwerten“. Unter dem Vorwand, die georgisch-orthodoxe Kirche zu schützen, diffamiert sie zunehmend Menschenrechtsverteidiger*innen, unabhängige Medien und Oppositionspolitiker*innen – sie werden als „Gotteslästerer“, „Feinde der Kirche“ oder „gegen christliche Werte“ bezeichnet. Gleichzeitig wurden Gesetze geändert oder neu eingeführt, die die Meinungsfreiheit einschränken und friedlichen Protest unterdrücken und kriminalisieren.

Auch die Vereinigten Staaten werden im Freedom of Thought Report thematisiert. In der Vergangenheit erhielten sie noch aufgrund starker verfassungsrechtlicher Garantien für Religions- und Meinungsfreiheit vergleichsweise gute Bewertungen. Unter der aktuellen Regierung jedoch kam es zu einem beispiellosen Rückschritt bei demokratischen Rechten und Grundfreiheiten. Wer die Politik der Regierung oder die zugrundeliegende konservativ-christliche Ideologie kritisiert, wird häufig als „anti-amerikanisch“ verunglimpft. Die Ausübung oder Verteidigung der Meinungsfreiheit führt zunehmend zu juristischen Konsequenzen oder sogar zu Gewalt.

Der jährliche HI-bericht macht auf solche Diskriminierung und Ungerechtigkeiten aufmerksam, denen nichtreligiöse Menschen und religiöse Minderheiten weltweit ausgesetzt sind. Ziel ist es, diskriminierende nationale Gesetze und staatliche Praktiken zu dokumentieren und darauf aufmerksam zu machen. Und systemische Diskriminierung betrifft längst nicht nur bekennende Nichtreligiöse, Atheisten oder Humanisten, sondern auch religiöse Menschen, insbesondere Minderheiten und Konfessionslose. Systemische rechtliche Diskriminierung kann sich etwa in staatlich privilegierten Kirchen äußern, im verpflichtenden Religionsunterricht ohne weltanschaulich neutrale Alternative oder in drastischen Strafen: Haft für „Beleidigung“ einer Religion oder sogar die Todesstrafe allein für das Bekenntnis zum Atheismus sind die Realität.

Aus dem Vorwort von Maggie Ardiente, Präsidentin von Humanists International:

Die globale Freiheit ist seit 19 Jahren in Folge rückläufig. In mehr Ländern verschlechtern sich politische Rechte und bürgerliche Freiheiten, als sich verbessern. Menschenrechtsorganisationen weltweit werden angegriffen, diskreditiert, finanziell ausgehungert oder mussten ganz schließen. Gleichzeitig erstarken rechtsextreme Bewegungen weltweit – viele von ihnen sind inzwischen in Ländern an der Macht, die einst als Bastionen von Demokratie und Freiheit galten. Mit der explosionsartigen Zunahme von Desinformation und Falschinformationen in den Medien ist der Populismus zu einer prägenden politischen Kraft geworden. Populistische Politiker sind in zahlreichen Ländern in Regierungsverantwortung gelangt und machen Minderheiten sowie Migranten für wirtschaftliche Probleme verantwortlich. Rechte, die einst in Verfassungen und Gesetzen verankert waren, werden schrittweise ausgehöhlt. Wir erleben ein alarmierendes Abgleiten in Richtung Autoritarismus.

Rechtsextreme Regierungen und populistische Bewegungen nutzen Religion zunehmend als politisches Instrument, um ihre Ziele voranzutreiben und die Einschränkung von Freiheiten zu rechtfertigen – häufig unter dem Vorwand, die Religionsfreiheit einer bestimmten Glaubensgemeinschaft zu schützen, während andere benachteiligt werden. Auch wenn sie sich als Verteidiger von Religionsfreiheit und ‚traditionellen Werten‘ darstellen, fördern sie in der Praxis religiöse Privilegien, indem sie die Menschenrechte von Minderheiten abbauen und unabhängige demokratische Institutionen demontieren.“

In einem weiteren Vorwort berichtet Mubarak Bala, ehemaliger Präsident der Humanistischen Vereinigung Nigerias, von seinem Engagement, seiner willkürlichen Verhaftung durch nigerianische Behörden, den schweren Jahren im Gefängnis sowie von seiner späteren Ausreise und seiner Zeit im „Humanist Shelter Program“ der Humanistischen Vereinigung.

Meine Familie und meine Freunde haben mich nicht aufgegeben. Während ich im Gefängnis war und gezwungen wurde, religiöse Praktiken auszuüben, an die ich nicht glaubte, lief weltweit eine Kampagne zu meiner Freilassung.“

 

Zentrale Feststellungen des neuen Reports:

  • Wenn Sie eine Frau oder Mitglied der LGBTQ+-Community sind, untergräbt der dominante Einfluss von Religion in mehr als 60 Ländern Ihr Recht auf Gleichberechtigung.
  • In vielen Staaten werden Menschen, die die vorherrschende Religion kritisieren, als „unpatriotisch“ oder als Bedrohung für die moralischen Werte des Landes diffamiert.
  • Unter dem Anspruch, „Religionsfreiheit“ oder „traditionelle Werte“ zu verteidigen, bauen autoritäre Regierungen die Menschenrechte von Minderheiten – darunter Frauen und LGBTQ+-Personen – ab.
  • In 65 Ländern droht Haft wegen „Blasphemie“.
  • Die Äußerung zentraler humanistischer Prinzipien zu Demokratie, Freiheit oder Menschenrechten wird in 67 Ländern massiv – teils brutal – eingeschränkt.
  • Rechtsextreme Regierungen und Bewegungen nutzen Religion zunehmend als politisches Instrument, um ihre Ziele voranzutreiben und Freiheitsrechte zu beschneiden.

Hier finden Sie den ganzen Bericht mit detaillierten Weltkarten zu verschiedenen Kategorien:

humanists.international/what-we-do/freedom-of-thought-report

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