Tag der Demokratiegeschichte: Die Wurzeln einer Bewegung
Im FORUM FRANKLIN in Mannheim präsentierten Gisela Wittemann und Michael Caroli in Kurzvorträgen Stationen der demokratischen Entwicklung in Mannheim, schlaglichtartig illustriert mit Abbildungen und Filmsequenzen. Beginnend mit der bürgerlichen Revolution 1848/49 über die Weimarer Republik bis zur Bundesrepublik Deutschland wurde an die demokratischen Träume, Aufbrüche und Erfolge, aber auch Rückschläge und Traumata erinnert. Schließlich berichteten Brigitte und Andreas Parmentier von der demokratischen Basisarbeit als Stadtrat bzw. Bezirksbeirätin und Schöffin. Es wurde deutlich: Demokratie ist schön – macht aber viel Arbeit. Im Anschluss tauschten sich die zahlreich erschienenen Besucherinnen und Besucher bei Getränken und Fingerfood über Fragen und Erfahrungen der demokratischen Alltagspraxis aus. Dass die Unterhaltungen dabei noch lange kein Ende fanden, passte gut zum Abend: Demokratie lebt vom Gespräch.
Auf dem Friedhofspark Pappelallee in Berlin hat die Freigeistige Gemeinschaft Berlin e.V. gegr. 1845 | Freireligiöse Gemeinde bei einem geführten Rundgang die enge Verknüpfung der freireligiösen Bewegung mit der deutschen Demokratiegeschichte nachgezeichnet. Unter dem Titel „Vom Vormärz bis zum 48er-Barrikaden-Urban" nahmen Olaf Schlunke und Anne-Kathrin Pauk die Gäste mit zu einem Rundgang, bei dem Akteure wie Robert Brauner, der im Vormärz für politische Teilhabe stritt oder Friedrich Ludwig Urban, der 1848 auf den Barrikaden stand, im Mittelpunkt standen. Zudem wurde das Schicksal der Gewerkschafterin Agnes Wabnitz thematisiert, deren Beisetzung auf dem Friedhof Pappelallee einst Zehntausende bewegte – ein Weg also von den Märzgefallenen bis zur Berliner Arbeiterbewegung. Außerdem beteiligte sich die Freigeistige Gemeinschaft wie in den Jahren zuvor auch dieses Mal an der offiziellen Gedenkveranstaltung zum 18. März auf dem gleichnamigen Platz vor dem Brandenburger Tor. Nach Grußworten und Liedern legten Stefan Dietz und Anika Herbst im Namen der Gemeinschaft einen Kranz nieder als Zeichen der Erinnerung an die Gefallenen der Märzrevolution und der Verbundenheit mit den demokratischen Idealen von 1848.
In Nürnberg wurde im Humanistischen Zentrum ebenfalls der Bogen zum Revolutionsjahr 1848 und damit auch zum eigenen Gründungsjahr gespannt. Die Humanistische Vereinigung hatte zu einem Abend eingeladen, der Geschichte und Gegenwart der freireligiösen und humanistischen Bewegung lebendig werden ließ. HV-Vorstand Michael Bauer las aus seinem neuen Buch „Aufbruch in die weltanschauliche Moderne", in dem er die Entstehung der freireligiösen Gemeinde Nürnberg, ihre Erinnerungsorte und ihren Einfluss auf Gesellschaft und Demokratie nachzeichnet. Die Gründung der Humanistischen Vereinigung als „Freie christliche Gemeinde" im Jahr 1848 steht sinnbildlich für den Geist des Vormärz und der deutschen Revolution – und bis heute für das Erbe dieser Bewegung. Am 21. Dezember 1848, als der Geist der Freiheit und des Aufbruchs durch Deutschland wehte, hatte die erste Gemeindeversammlung in Nürnberg stattgefunden; nur zwei Tage später wurde die „Deutsch-katholische Gemeinde" als erste Vorläuferorganisation der HV gegründet. Anerkennung und Verbot wechselten in den Folgejahren mehrfach, doch die Bestrebungen, eine freireligiöse und später humanistische Bewegung zu institutionalisieren, sind Paradebeispiele für die zunehmende Demokratisierung und Pluralisierung der deutschen Politik und Gesellschaft. Ergänzt wurde der Abend durch eine Ausstellung im Ludwig-Feuerbach-Saal, die die wichtigsten Stationen der Geschichte der Humanistischen Vereinigung in Bild und Text anschaulich dokumentierte.

