Osman Kavala erhält Liberal International Prize for Freedom
Osman Kavala sitzt seit Oktober 2017 in der Türkei in Haft, gestern waren es genau 3121 Tage. Am Montagabend kamen in der Berliner Wartehalle internationale Gäste aus Politik, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammen, um ein starkes Zeichen für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte zu setzen. Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie verliehen Liberal International und die Friedrich Naumann Foundation for Freedom den "Prize for Freedom" an den türkischen Unternehmer, Philanthropen und Förderer von Zivilgesellschaft, Dialog und Kultur.
Für die Humanistische Vereinigung war Grit Lahmann, Leiterin unseres Berliner Büros, bei der Ehrung dabei. Sie trug sich in das Book of Freedom mit Grußworten an den Preisträger ein und erlebte einen bewegenden Abend, der im Anschluss an die Preisverleihung Gelegenheit zu zahlreichen interessanten Gesprächen bot.
Osman Kavala ist eine der bedeutendsten Stimmen der türkischen Zivilgesellschaft. Mit der Gründung von Anadolu Kültür schuf er eine Plattform für kulturellen Austausch und grenzüberschreitende Zusammenarbeit – ein Projekt, das Dialog und Versöhnung in den Mittelpunkt stellt, wo andere Mauern errichten. Seit 2017 in Haft, wurde Kavala 2022 wegen angeblich versuchtem Staatsumsturz zu erschwerter lebenslanger Haft verurteilt – was Haftvollzug bis zum Tod bedeutet, verbunden mit weitgehender Isolation. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EMGR) urteilte bereits 2019, dass seine Inhaftierung politisch motiviert und rechtswidrig sei und forderte seine Freilassung. Trotz massiver internationaler Kritik wurde das Urteil gegen Kavala 2023 vom obersten türkischen Berufungsgericht bestätigt. Aktuell wird der Fall vor der großen Kammer des EMGR neu verhandelt. Der Fall Kavala ist längst zum Symbol geworden – für den Mut derjenigen, die für Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit eintreten, und für den Preis, den sie dafür bisweilen zahlen müssen.
Osman Kavalas Frau Ayşe Buğra, Sozialwissenschaftlerin und emeritierte Professorin, nahm den Preis stellvertretend entgegen und trug auch seine Dankesrede vor – ein berührender Moment, der den Anwesenden die menschliche Dimension dieser Geschichte eindringlich vor Augen führte.
Den Abend hatte Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Präsident von Liberal International, mit einer Begrüßungsrede eröffnet. Die Laudatio hielt Dr. Maren Jasper-Winter, Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Im Anschluss an die Dankesrede folgte ein Gespräch zwischen Ayşe Buğra und Baroness Sal Brinton, Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses von Liberal International. Den Abschluss bildeten Schlussworte von Dr. Jürgen Martens, Präsident der Deutschen Gruppe von Liberal International.
Dass die Humanistische Vereinigung durch Grit Lahmann an der Verleihung teilgenommen hat, war naheliegend: Themen wie Menschenrechte, Zivilgesellschaft und der Schutz demokratischer Freiheiten sind keine abstrakten Anliegen für uns – sie gehören zum Kern dessen, wofür wir stehen. Zivilgesellschaftliches Engagement, kultureller Austausch und der Einsatz für Pluralismus und Menschenwürde sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie müssen gelebt, verteidigt und sichtbar gemacht werden.
Wir gratulieren Osman Kavala zu dieser verdienten Auszeichnung – und wünschen ihm vor allem eines: Freiheit.
(Bild Osman Kavala: Janbazian, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons)

