Münchner Charta setzt Zeichen für Dialog und Zusammenhalt

Ein interreligiöser Abend unter dem Motto „Gemeinsam in schwierigen Zeiten“ im Alten Rathaussaal bot mit engagierten Beiträgen, dem neu gegründeten Menschenrechtechor und vielen Zeichen des Zusammenhalts gute Einblicke in Münchens gelebte Vielfalt, auch wenn einzelne Unstimmigkeiten verdeutlichten, dass Dialogarbeit ein fortlaufender Prozess ist.

Die Münchner Charta der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften hat unter dem Motto „Gemeinsam in schwierigen Zeiten“ den Wunsch nach mehr Miteinander bekräftigt und unterschiedliche Gruppen des Bündnisses vorgestellt. Neben vielen positiven und hoffnungsvollen Statements über das interreligiöse Zusammenleben in München und den charmanten Klängen des Menschenrechtechors im vollen Alten Rathaussaal der bayerischen Landeshauptstadt gab es aber auch inhaltliche Dissonanzen.

Der Abend beginnt mit einer Vorstellungsrunde der Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften, bei der schnell deutlich wird, wie heterogen die Münchner Bevölkerung ist, schließlich sind zwei Drittel der Einwohner*innen weder katholisch noch evangelisch. Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) begrüßt die Gäste entsprechend mit der Feststellung, dass viel zu selten auf das Gemeinsame geblickt werde, das die Menschen eigentlich verbindet. „Es berührt mich sehr, dass wir heute hier in schwierigen Zeiten zusammenstehen“, so Dietl.

In den Beiträgen der Gemeinschaften ist die gemeinsame Schnittmenge deutlich zu vernehmen: die Wertschätzung und Gleichberechtigung aller Menschen unabhängig von Herkunft und Glaube, der Wunsch nach Respekt und Frieden zwischen allen Menschen, das Ablehnen von Vorurteilen, Gewalt und Hass sowie der Wusch, füreinander einzustehen.

Anschließend sang der Menschenrechtschor die drei Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die sie zuvor einstudiert hatten. Komponiert von Axel Christian Schullz und an diesem Abend mit instrumentaler Begleitung entsteht eine genauso überraschende wie gelungene musikalische Interpretation dieser bedeutenden Grundsätze der Menschheit. Der Chor entstand auf Initiative der humanistischen Vereinigung im Vertrauen auf die vorhandene gemeinsame Wirkkraft der Menschenrechte. Er wurde für diese Veranstaltung gegründet und vereint Menschen, die gemeinsam ein hörbares Zeichen für Würde, Vielfalt und Zusammenhalt setzen möchten. Der Chor bietet eine seltene Gelegenheit, dass Menschen unterschiedlicher Überzeugungen – religiös, weltanschaulich oder ohne Bindung – gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten, einander begegnen und voneinander lernen.

Danach stellen die Vertreter*innen der Gemeinschaften ihre Ideen und Perspektiven für ein noch besseres Miteinander vor. Wolfgang Wuschek, der im Rahmen des interreligiösen Dialogs die Humanistische Vereinigung vertritt, freute sich, dass zum ersten Mal bei einer solchen Veranstaltung auch Humanist*innen und Buddhist*innen mit auf dem Podium sitzen. In einer Stadt, in der religiöse Bindungen stark rückläufig sind, ist diese Erweiterung kein Randdetail, sondern ein deutliches Signal: Der interreligiöse und weltanschauliche Dialog öffnet sich endlich hin zum gesamten, nicht nur zum religiösen Spektrum. Wuschek beschrieb in seinem Statement drei Ebenen, auf denen Religionen und Weltanschauungen zum Frieden beitragen können:

• Verantwortungsvolle Arbeit (z.B. Wertearbeit und Kritik) in der eigenen Gemeinschaft

• Gemeinsame Projekte wie den von der Humanistischen Vereinigung initiierten Münchner Menschenrechtechor, der Menschen über Grenzen hinweg zusammenführt

• Offene Formate, an denen alle Münchnerinnen und Münchner teilnehmen können – unabhängig von ihrer religiösen oder weltanschaulichen Bindung

Er betonte auf dem Podium auf einen Publikumsbeitrag hin die Notwendigkeit, auch nichtreligiöse Menschen sowie nicht mehr praktizierende oder inzwischen distanzierte Gläubige zu erreichen. Ohne diese würden die Bemühungen kaum Erfolg haben, da sonst zu wenige Menschen beteiligt sind. Im Anschluss wurde Wuschek von mehreren, auch prominenten Personen mit religiösem Hintergrund angesprochen, die seine Beiträge positiv gewürdigten.

Die für die jüdische Gemeinde vorgesehene Teilnahme von Rabbiner Jan Guggenheim wurde allerdings kurzfristig abgesagt, auch die Vertreter*innen der beiden jüdischen Gemeinden waren nicht anwesend. Das verärgerte den ehemaligen Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) so sehr, dass er unangekündigt auf Aufforderung des Moderators Marian Offman das Podium betrat. Ude beklagte die Nicht-Benennung des „weißen Elefanten im Raum“ – die Absage des Rabbiners Guggenheim. Laut Marian Offman, dem städtischen Beauftragten für interreligiösen Dialog, erfolgte diese Absage indirekt aufgrund der Teilnahme des Penzberger Imams Idriz, dessen Ehrung bundesweit eine Kontroverse ausgelöst hatte und gegen die sich unter anderem IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch gewandt hatte. Der frühere OB Ude verteidigte Imam Idriz, der seiner Meinung nach als Repräsentant einer Weltreligion jede islamistische Gewalt oder Frauenfeindlichkeit stets verurteilt habe. Er bezeichnete den Versuch, Idriz eine Auszeichnung zu verwehren, als „blamablen Vorgang und Rückfall“. Er betonte die Notwendigkeit von Dialogbereitschaft statt eines „bloßen feindseligen Abwehrens“. Anstelle des Rabbiners übernahm Terry Swartzberg, Vorsitzender von Jews Engaged With Students (J.E.W.S.), die Vertretung der jüdischen Gemeinschaft.

Hintergrund:

In der Münchner Charta der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften' bekennen sich über 20 Gemeinschaften zu gegenseitiger und gesamtgesellschaftlicher Solidarität und Gerechtigkeit, die Humanistische Vereinigung ist eine davon.

Der Menschenrechte-Chor würde auch gerne bei weiteren Veranstaltungen auftreten, die Menschlichkeit, Dialog und Zusammenhalt fördern – z. B. Stadtteil- und Quartiersfeste, interkulturelle und interreligiöse Veranstaltungen.

Kontakt für Auftritte oder Mitmachen kann entweder über den Chorleiter Franz Wagner (wa.fra.mi[at]gmail.com) oder Organisator Wolfgang Wuschek (wolfgang[at]die-wuscheks.com) hergestellt werden.

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