Humanismus ist „die beste Idee der Welt“

Nach 15 Jahren als Präsident der HI ist Andrew Copson von seinem Amt bei Humanists International zurückgetreten.

Maggie Ardiente nach ihrer Wahl zur neuen Präsidentin von Humanists International zusammen mit ihrem Vorgänger.

von links nach rechts: Arne Lund, Petra Schmidt, Leo Igwe und Michael Bauer

Am EHSN Infostand von links nach rechts: Petra Schmidt, Even Gran, Lone Ree Milkaer, Arne Lund

Bei der Generalversammlung und Internationalen Humanistischen Konferenz von Humanists International (HI) in Luxemburg standen neben der Wahl einer neuen Präsidentin vor allem die Themen wissenschaftliche Bildung und ethische KI im Mittelpunkt.

 

In Zusammenarbeit mit der AHA Luxembourg konnten die HI über 80 Delegierte aus mehr als 50 Ländern begrüßen, um gemeinsam zentrale Herausforderungen für offene Gesellschaften zu diskutieren und die künftige Führung der Organisation zu bestimmen. Unter dem Motto „Vom Bewusstsein zum Handeln: Stärkung offener Gesellschaften durch wissenschaftliche Bildung“ stand die Bedeutung wissenschaftlicher Bildung für eine demokratische, aufgeklärte Gesellschaft an vorderster Stelle. Die Teilnehmenden analysierten die Gefahren mangelnden wissenschaftlichen Verständnisses und entwickelten Strategien, um kritisches Denken und faktenbasierte Politik weltweit zu fördern.

Für die Humanistische Vereinigung nahmen Vorstand Michael Bauer, Petra Schmidt und Arne Lund an Konferenz und Generalversammlung teil. Den Auftakt am Freitag bildete ein herzliches Get-together: Mitglieder von AHA-Luxemburg führten die Gäste durch die historische Innenstadt – eine schöne Gelegenheit, bekannte Gesichter wiederzutreffen, neue Kontakte zu knüpfen und sich über humanistische Arbeit weltweit auszutauschen.

Am Samstag stand die Konferenz dann im Zeichen praktischer Projekte und globaler Zusammenarbeit. Nach spannenden Impulsen und Diskussionen klang der Tag bei einem festlichen Galadinner aus.

Ein Höhepunkt der Generalversammlung am Sonntag war die Wahl von Maggie Ardiente zur neuen Präsidentin von Humanists International. In ihrer Antrittsrede betonte sie die Dringlichkeit humanistischer Arbeit angesichts antidemokratischer und wissenschaftsfeindlicher Strömungen und sprach sich für mehr globale Zusammenarbeit aus. Auch Monica Belițoiu, Nina Fjeldheim und Fraser Sutherland wurden in den Vorstand gewählt.

Nach 15 Jahren Engagement – davon zehn Jahre als Präsident – verabschiedete sich Andrew Copson von seinem Amt bei Humanists International. In seiner Rede zog er eine persönliche und politische Bilanz und blickte zugleich mit Hoffnung auf die Zukunft der weltweiten humanistischen Bewegung.

Copson erinnerte an den Zustand der Organisation bei seinem Einstieg 2010: Eine kleine, vornehmlich europäisch geprägte Struktur mit kaum Personal und wenig Einfluss. Heute, so Copson, stehe Humanists International als globaler, demokratisierter Verband da – mit einem vielfältigen Vorstand, einer starken Stimme bei den Vereinten Nationen und einem Netzwerk, das über alle Kontinente reicht.

Er hob besonders die Unterstützung gefährdeter Humanisten hervor – etwa durch direkte Hilfe, Öffentlichkeitsarbeit und diplomatische Maßnahmen. Die Freilassung des nigerianischen Humanisten Mubarak Bala, für die sich auch die Humanistische Vereinigung energisch eingesetzt hatte und der auch persönlich vor Ort war, sei ein ermutigendes Beispiel für den Erfolg solidarischer Anstrengungen. Trotz aller Fortschritte sieht Copson offene Aufgaben – etwa bei der gezielten Förderung von Führungskräften im globalen Süden. Hier appellierte er an seine Nachfolgerin und die Generalversammlung, diesen Aspekt zur Priorität zu machen.

Seine abschließenden Empfehlungen: voneinander lernen, den Blick nach außen richten und sich nicht durch nationale Grenzen trennen lassen:

„Unsere gemeinsamen Werte und Prinzipien verbinden uns tiefer, als uns Linien auf einer Landkarte trennen könnten. (…) Humanismus ist für mich schlicht die beste Idee der Welt. Er ist die bestärkende Erkenntnis, dass wir in einem Leben innerhalb der Grenzen dieser Welt und unserer eigenen Sterblichkeit Sinn und Zweck finden können, dass wir aber gemeinsam die Kraft haben, alle anderen Grenzen zu überwinden und eine menschlichere, gerechtere und mitfühlendere Welt für alle zu schaffen. Es ist eine Idee, die den Einzelnen wirklich befähigt, kritisch zu denken und authentisch zu leben. Durch diese Entwicklung stärkt sie alle Gesellschaften, indem sie Toleranz, Zusammenarbeit und Fortschritt fördert.“

 

Copson bleibt der HI künfig als Delegierter von Humanists UK erhalten.

Die gesamte Rede von Andrew Copson können Sie hier lesen.

Drei Mitglieder erhielten den Distinguished Services to Humanism Award für ihren langjährigen Beitrag zur weltweiten humanistischen Bewegung: Luis del Castillo (Peru), Gaylene Middleton (Neuseeland) und Andrew Copson (UK).

In der Abschlussrede stellte Vizepräsidentin Roslyn Mould zudem die Luxemburger Erklärung zu KI und menschlichen Werten vor – ein neues politisches Leitdokument zur ethischen Gestaltung der digitalen Zukunft. Sie rief zu entschlossenem Einsatz gegen Fehlinformation, Autoritarismus und Wissenschaftsfeindlichkeit auf.

Mit großer Vorfreude blickten die Teilnehmenden noch auf den nächsten Welthumanistenkongress, der 2026 in Ottawa, Kanada, stattfinden wird. Ursprünglich in den USA geplant, wurde der Kongress angesichts wachsender sicherheitspolitischer Bedenken und der angespannten politischen Lage in die kanadische Hauptstadt verlegt – ein deutliches Zeichen dafür, wie sehr offene, demokratische Räume heute verteidigt werden müssen.

(Fotos: Humanists International und Petra Schmidt)

 

 

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