Der Mensch im Mittelpunkt – bei der 20. Berliner Rede zur Freiheit

Die Ökonomin und „Wirtschaftsweise“ Veronika Grimm hielt gestern Abend im Allianz Forum am Brandenburger Tor die 20. Berliner Rede zur Freiheit – und entwarf dabei ein Bild von Freiheit, das weit über Wirtschaftspolitik hinausgeht - als Grundbedingung menschlicher Würde und gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit.

Seit fast zwei Jahrzehnten lädt die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit jedes Frühjahr zur Berliner Rede zur Freiheit ein. Bei der Jubiläumsausgabe stand Prof. Dr. Veronika Grimm, Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung – besser bekannt als eine der „Wirtschaftsweisen" – und Professorin für Energiesysteme und Marktdesign an der Technischen Universität Nürnberg auf dem Podium. Für die Humanistische Vereinigung nahm die Leiterin des Berliner Büros, Grit Lahmann teil und konnte im Laufe des Abends Gespräche mit Paqué und anderen Gästen führen.

Karl-Heinz Paqué, bis vor zwei Wochen Vorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, eröffnete den Abend und erinnerte daran, dass Freiheit kein abstraktes Schlagwort ist, sondern immer wieder neu diskutiert und konkret gefüllt werden muss.

Grimm verankert dann in ihrer Rede den Freiheitsbegriff im normativen Kern unserer Verfassung: Der Mensch als Zweck an sich – nicht als Mittel. Dass die Menschenwürde am Anfang des Grundgesetzes steht, sei kein Zufall. Daraus folge nicht nur ein Anspruch auf Selbstbestimmung, sondern auch die Pflicht, Freiheit und Würde aktiv zu schützen. Das ist für die Humanistische Vereinigung selbstverständlich kein fremder Gedanke, denn wer den Menschen in seiner Würde und Selbstbestimmung ins Zentrum stellt, denkt humanistisch. Grimm hat das philosophisch klar dargelegt, aber auch die politischen Konsequenzen nicht außer Acht gelassen - im Vertrauen auf die Vernunft und Verantwortungsfähigkeit jedes einzelnen Menschen.

Besonders eindrücklich war Grimms Unterscheidung zwischen dem, was man will, und dem, was man bewirkt. Gute Absichten reichen nicht – politische Entscheidungen müssen ihre langfristigen Folgen mitdenken, auch wenn das unbequeme Wahrheiten bedeutet. Verantwortung bedeute, Nebenwirkungen offen zu benennen, Perspektiven abzuwägen und Entscheidungen zu treffen, die über den Moment hinausdenken. Sie machte zudem deutlich, dass Europas freiheitliche Ordnung mehr voraussetzt als Überzeugungskraft: Sie sei auch eine Frage von Handlungsfähigkeit und Selbstbehauptung. Abhängigkeiten machten erpressbar, technologischer Rückstand würde Gestaltungsspielraum kosten und fehlende Verteidigungsfähigkeit schaffe neue Verwundbarkeiten. Offene Gesellschaften seien gerade wegen ihrer Offenheit anfällig für Einflussnahme und Destabilisierung. Das sei kein Pessimismus – sondern ein Aufruf zum Realismus.

Im anschließenden Podiumsgespräch mit Politikjournalist Michael Bröcker und dem FDP-Politiker Christian Dürr wurden die Thesen vertieft und aus parlamentarischer Perspektive beleuchtet.

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